Schlaf

Nachts abstillen: ab wann, wie es sanft klappt und was bei Protest hilft

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Ein Baby schläft auf dem Rücken in einem Gitterbett in einem dunklen Zimmer, ein Schildkröten-Nachtlicht wirft blaues Licht an die Wand.
Foto von Marie Despeyroux auf Unsplash

Ab wann kannst du nachts abstillen?

Gesunde Babys über 6 Monate brauchen nachts in der Regel keine Mahlzeit mehr, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) rät ebenso, gesunden Säuglingen über 6 Monaten nachts nichts zu essen oder zu trinken zu geben. Bis zum sechsten Lebensmonat ist es laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) dagegen normal, dass ein Baby mindestens einmal aufwacht, weil es nachts eine oder mehrere Mahlzeiten braucht.

Nach dem sechsten Monat können Babys laut BIÖG theoretisch die ganze Nacht ohne Stillen oder Fläschchen auskommen, Eltern sollten sich aber weiterhin auf nächtliches Aufwachen einstellen. Für die DGKJ ist nächtliches Aufwachen nicht unbedingt ein Zeichen von Hunger, es kann eine normale Orientierungsreaktion sein. Einen allgemein gültigen Zeitpunkt für das Abstillen gibt es laut Netzwerk Gesund ins Leben nicht; wann es so weit ist, entscheidet ihr beide, du und dein Kind.

Alter oder Frage Was die Fachstellen sagen Quelle
Bis 6 Monate Mindestens einmal nachts aufwachen ist normal, das Baby braucht nachts eine oder mehrere Mahlzeiten BIÖG
Über 6 Monate Gesunde Babys brauchen nachts in der Regel keine Mahlzeit DGKJ, DGSM
Nach 6 Monaten Theoretisch geht es ohne Stillen oder Fläschchen durch die Nacht, mit nächtlichem Aufwachen ist weiter zu rechnen BIÖG
Bis Ende des 1. Lebensjahres Die meisten Babys schlafen 6 bis 8 Stunden am Stück BIÖG
Manchmal bis etwa 5 Jahre Kinder wachen nachts regelmäßig auf, beim Wechsel der Schlafphasen DGKJ
Tempo Allmählich: die nächste Mahlzeit erst ersetzen, wenn die Brust nicht mehr spannt Netzwerk Gesund ins Leben
Schlaflernprogramme Wenn überhaupt, frühestens nach dem ersten Lebensjahr BIÖG

Wie kannst du nachts sanft abstillen?

Sanft abstillen heißt laut Netzwerk Gesund ins Leben, die Brust im Tempo deines Kindes nach und nach seltener oder kürzer anzubieten; für die Nacht rät es, eine zweite Bezugsperson, etwa deinen Partner oder deine Partnerin, die Einschlafbegleitung am Abend und in der Nacht übernehmen zu lassen.

Die Vorschläge des Netzwerks fürs Abstillen allgemein und für die Nacht:

  • Mit der Stillmahlzeit beginnen, die für dein Kind am „unwichtigsten“ ist und gut in euren Familienalltag passt.
  • Die nächste Mahlzeit erst ersetzen, wenn deine Brust nicht mehr spannt. Dann hat sich die Milchbildung an den geringeren Bedarf angepasst.
  • Die zweite Bezugsperson begleitet dein Kind mit Hautkontakt und Kuscheln in den Schlaf und übernimmt die abendliche Einschlafroutine. So lernt dein Kind, auch ohne Brust (wieder) einzuschlafen.
  • Ein Schluck Wasser kann den nächtlichen Durst deines Kindes löschen.
  • Immer gleich vorgehen, zum Beispiel den Stillplatz zu den üblichen Stillzeiten meiden und woanders kuscheln.
  • Rituale schaffen, die das Stillen ersetzen, etwa Kuschelzeiten, Vorlesen oder sanftes Wiegen.

Für das nächtliche Aufwachen gibt die DGKJ Tipps, die nicht nach Brust oder Fläschchen unterscheiden: dein Kind nicht sofort aus dem Bett nehmen, kein helles Licht machen, mit beruhigenden Worten oder einem bekannten Lied trösten und einen Schnuller oder ein kleines Kuscheltier geben. Sind Hunger oder Durst unwahrscheinlich, animiere dein Kind nicht zum Trinken oder Essen. Die letzte Abendmahlzeit gibst du am besten immer zur gleichen Zeit.

Schläft dein Baby bisher an der Brust ein, rechne mit Gegenwehr: Ein Kind, das gewohnt ist, an der Brust einzuschlafen und schlafend ins Bettchen gelegt zu werden, fordert diese Einschlafhilfe laut BIÖG bald lauthals. Umgewöhnen lässt sich ein Kind später, meist ist das aber für Eltern und Kind anstrengend.

Was hilft, wenn das nächtliche Abstillen nur Geschrei bringt?

Protestiert dein Kind, rät das Netzwerk Gesund ins Leben, selbst ruhig zu bleiben und das Abstillen langsamer angehen zu lassen. Weint ein Baby nachts, braucht es laut BIÖG Trost, Zuwendung und die Gewissheit, dass jemand in seiner Nähe ist: Geh zum Bettchen, streichle dein Baby und rede leise mit ihm, oft genügt das schon zum Wiedereinschlafen. Schreienlassen war früher eine verbreitete Methode, um Babys zum Durchschlafen zu bringen. Heute ist bekannt, dass Babys in den ersten Lebensmonaten noch nicht allein aus einem Erregungszustand herausfinden können und durch die Nähe und Unterstützung ihrer Eltern keinesfalls verwöhnt werden.

Schlaflernprogramme wie das „Ferbern“ sind laut BIÖG in Wissenschaft und Medizin umstritten. Beim Ferbern warten Eltern, wenn ihr Kind schreit oder weint, eine vorher festgelegte Zeit von bis zu 30 Minuten, bevor sie wieder hineingehen. Wenn überhaupt, solltest du solche Programme frühestens nach dem ersten Lebensjahr erwägen, nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis und nur in einer außerordentlichen Belastungssituation der Familie, denn auch sanftere Varianten können Kind und Eltern erheblich belasten.

Längeren Schlaf garantiert das nächtliche Abstillen nicht: In einer US-Studie mit 193 Babys, 2026 in der Fachzeitschrift Nutrients erschienen, hing es nicht signifikant mit längerem Nachtschlaf zusammen. Das Forschungsteam schränkt ein, dass vor allem Babys nachts abgestillt waren, die nach dem sechsten Monat Säuglingsmilch bekamen. Dauerhaft war das nächtliche Abstillen in der Studie nicht unbedingt, Eltern fütterten manchmal wieder nachts.

Wie gewöhnst du deinem Baby das Fläschchen in der Nacht ab?

Beim Fläschchen helfen dieselben Nachttipps der DGKJ wie beim Stillen, und es gelten dieselben Altersangaben: Das BIÖG schreibt ausdrücklich, dass Babys nach dem sechsten Monat theoretisch die ganze Nacht ohne Stillen oder Fläschchen auskommen können. Für die Zähne kommt eine Regel dazu: Gib deinem Kind die Saugerflasche oder Schnabeltasse nie zur Beruhigung mit ins Bett, besonders nicht nachts, und verwende Flasche oder Tasse nur zu den Mahlzeiten. Vor allem dauerhaftes Nuckeln kann die sogenannte Nuckelflaschenkaries verursachen, eine besonders schmerzhafte und zerstörerische Form der Karies.

Flasche und Beikost lassen sich laut Netzwerk Gesund ins Leben so geben, dass dein Kind Zuwendung und Geborgenheit erfährt. In der US-Studie aus Nutrients stieg der Anteil der nachts abgestillten Babys nach dem sechsten Monat bei denen, die ausschließlich Säuglingsmilch bekamen, schneller als bei ausschließlich gestillten oder gemischt ernährten Babys, auf 50 Prozent mit 12 Monaten. Die andere Hälfte wurde mit einem Jahr nachts noch gefüttert.

Kannst du mit 10 Monaten nachts abstillen?

Mit 10 Monaten kannst du nachts abstillen, wenn es für euch passt: Dein Baby ist dann älter als die 6 Monate, ab denen gesunde Säuglinge laut DGKJ nachts in der Regel keine Mahlzeit mehr brauchen. Dass es trotzdem noch aufwacht, ist in diesem Alter normal: Erst bis zum Ende des ersten Lebensjahres können die meisten Babys laut BIÖG 6 bis 8 Stunden am Stück schlafen.

Für ein Schlaflernprogramm ist ein 10 Monate altes Baby laut BIÖG zu jung: Solche Programme werden in der Regel erst ab einem Alter von einem Jahr empfohlen und sollten auf keinen Fall früher stattfinden.

Der Kitastart sollte laut Netzwerk Gesund ins Leben kein Grund zum Abstillen sein, auch wenn manche Kitas verlangen, dass ein Kind vor der Eingewöhnung abgestillt ist. Stillen und Erwerbstätigkeit lassen sich grundsätzlich vereinbaren.

Was passiert mit deiner Brust beim nächtlichen Abstillen?

Beim allmählichen Abstillen braucht die Brust laut Netzwerk Gesund ins Leben Zeit, sich an die geringere Nachfrage zu gewöhnen, deshalb kann sie anfangs etwas spannen. Kühlen kann dann angenehm sein, und es kann helfen, etwas Milch per Hand oder Pumpe zu entnehmen, allerdings nur so viel, bis das Spannungsgefühl nachlässt, weil sonst die Milchbildung wieder angeregt wird. So beugst du einem Milchstau vor.

Medikamente braucht es zum Abstillen laut Netzwerk Gesund ins Leben nicht; weniger Stillmahlzeiten, Ausstreichen und gegebenenfalls Kühlen reichen in der Regel. Für die Wirksamkeit von Salbei- oder Pfefferminztee fehlen empirische Belege.

Abstillen kann laut Netzwerk widersprüchliche Gefühle auslösen: Freude über mehr Freiheit, aber auch Traurigkeit, Verlust oder Schuldgefühle. Wichtig sind dabei Selbstfürsorge und Geduld.

Wann solltest du mit der Kinderarztpraxis oder der Hebamme sprechen?

Sprich mit deiner Kinderarztpraxis, wenn dich die kurzen Nächte sehr belasten; das BIÖG ermutigt Eltern ausdrücklich dazu und nennt als weitere Unterstützung Hebammen, Eltern-Kind-Gruppen, Schreiambulanzen und die Frühen Hilfen.

  • Dein Baby ist krank. Dass Säuglinge über 6 Monate nachts keine Mahlzeit brauchen, gilt laut DGKJ für gesunde Säuglinge.
  • Du befürchtest, dass dein Baby zu wenig schläft. Die DGKJ empfiehlt dann, etwa 3 Wochen lang ein Schlaftagebuch zu führen, mit Schlafzeiten, Aufwachen, Mahlzeiten und Schlafbedingungen.
  • Du denkst über ein Schlaflernprogramm nach. Das BIÖG rät, vorher kinderärztlich abklären zu lassen, dass keine organischen oder psychischen Ursachen hinter den Schlafproblemen stecken.
  • Deine Brust schmerzt oder das Abstillen stockt. Hebammen sowie die Still- und Laktationsberatung unterstützen laut Netzwerk Gesund ins Leben beim Abstillen, und bei Schwierigkeiten mit dem Stillen oder der Ernährung deines Babys übernimmt die Krankenkasse bis zu acht weitere Hebammenbesuche, bis dein Kind abgestillt ist.

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Geschrieben von der MyBaby-Redaktion. Wie wir Quellen auswählen und prüfen (auf Englisch).

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