Ab wann drehen, sitzen und krabbeln Babys? Die Schritte nach Alter
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Ab wann drehen, sitzen und krabbeln Babys?
Babys beginnen laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) mit 3 bis 7 Monaten, sich zu drehen, und mit 7 bis 10 Monaten, sich fortzubewegen; frei sitzen können die meisten mit etwa 10 Monaten. Gerade in der Beweglichkeit unterscheiden sich Babys zeitlich stark, und die Altersangaben sind nur als grober Anhaltspunkt gemeint.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in ihrer Motor Development Study 816 Kinder in Ghana, Indien, Norwegen, Oman und den USA begleitet und für sechs Schritte Zeitfenster berechnet. Sie reichen vom 1. bis zum 99. Perzentil und sollen die normale Bandbreite bei gesunden Kindern abbilden.
| Schritt | BIÖG: Anhaltspunkt | WHO: Zeitfenster |
|---|---|---|
| Drehen | Beginn mit 3 bis 7 Monaten | Nicht unter den sechs WHO-Schritten |
| Freies Sitzen | Die meisten mit etwa 10 Monaten | 3,8 bis 9,2 Monate |
| Robben, Kriechen, Krabbeln | Beginn mit 7 bis 10 Monaten | 5,2 bis 13,5 Monate (Krabbeln auf Händen und Knien) |
| Hochziehen in den Stand | 9 bis 15 Monate | Kein WHO-Schritt; Stehen mit Festhalten: 4,8 bis 11,4 Monate |
| Freies Gehen | Gelernt mit 9 bis 18 Monaten | 8,2 bis 17,6 Monate |
Ist dein Baby zu früh geboren, also vor 37+0 Schwangerschaftswochen, wird der frühe Geburtstermin bei der Beurteilung der Ergebnisse berücksichtigt. So steht es im Gelben Heft, dem Kinderuntersuchungsheft des Gemeinsamen Bundesausschusses.
Wann drehen sich Babys auf den Bauch?
Mit 4 bis 7 Monaten dreht sich ein Baby selbst vom Rücken auf den Bauch, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Das BIÖG beschreibt die Reihenfolge: Zuerst wendet sich ein Baby aus der Rücken- oder Bauchlage auf die Seite, erst danach dreht es sich ganz herum, vom Rücken auf den Bauch und umgekehrt.
Viele Babys rollen sich laut BIÖG schon sehr früh auf die Seite und in eine andere Lage, andere erst gegen Ende des ersten Lebensjahres. Im Gelben Heft steht das selbstständige, flüssige Drehen vom Rücken auf den Bauch und zurück bei der U6, also im 10. bis 12. Lebensmonat.
Das Drehen kommt meist unerwartet, warnt das BIÖG, und schon vor dem 3. Lebensmonat können sich Babys spontan vom Rücken auf den Bauch drehen und herunterfallen. Lass dein Baby deshalb nie unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch oder einer anderen erhöhten Fläche liegen; am sichersten wickelst du auf dem Boden.
Üben kann dein Baby in der Bauchlage: Die DGKJ empfiehlt sie ab dem 3. Monat, wach und unter Aufsicht, weil sie wichtig ist, um motorische Fertigkeiten zu lernen. Leg dein waches Baby abwechselnd auf den Bauch und den Rücken und lass es möglichst oft auf der Krabbeldecke strampeln, rät das BIÖG.
Zum Schlafen legst du dein Baby laut BIÖG im ersten Lebensjahr auf den Rücken; ist es groß genug, sich allein zu drehen, darf es in der Lage schlafen, die es dann selbst einnimmt. Die DGKJ rät, dein Baby zum Schlafen nicht fest einzuwickeln, damit es sich bewegen kann. Sie empfiehlt einen Schlafsack mit eng anliegendem Oberteil, der das Drehen in die Bauchlage erschwert.
Ab wann können Babys sitzen?
Mit etwa sechs Monaten kann ein Baby sitzen, wenn es die Hände zu Hilfe nimmt, schreibt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ); frei sitzen können die meisten Babys laut BIÖG mit etwa 10 Monaten, und dann haben sie beide Hände frei zum Spielen. Manche fangen damit schon früh an, andere sehr viel später. In der WHO-Studie hatte das freie Sitzen das engste Zeitfenster der sechs Schritte, von 3,8 bis 9,2 Monaten, und die Hälfte der Kinder saß mit 5,9 Monaten ohne Stütze.
Ab wann dürfen Babys sitzen?
Setz dein Baby erst hin, wenn es diese Position selbst erreicht: Das BIÖG rät, ein Baby nicht in Positionen wie Sitzen oder Stehen zu bringen, die es nicht selbstständig erreichen kann. Nur so lernt es die wichtigen Übergangsbewegungen, das Abstützen und das richtige Fallen.
Für den Alltag hat das BIÖG diese Hinweise:
- Tragen: Solange dein Baby noch nicht selbstständig sitzen kann, musst du beim Tragen seinen Rücken stützen.
- Kinderwagen: Kann sich dein Baby aufsetzen, schnallst du es mit dem Sicherheitsgurt an. In den Sportwagen oder Buggy darf es erst, wenn es sicher sitzen kann.
- Wippe: Lass dein Baby nicht lange darin liegen. Schon ein kleines Baby braucht Bewegungsfreiheit, und die starre Position kann zu Fehlhaltungen führen, besonders der Halswirbelsäule.
- Babyschale: Hin und wieder darf dein Baby für kurze Zeit etwas aufrecht darin liegen.
Kann dein Baby mit etwas Hilfe aufrecht sitzen und den Kopf halten, ist das laut BIÖG eines der Zeichen, dass der richtige Zeitpunkt für den Beikoststart gekommen ist.
Ab wann krabbeln Babys?
Zwischen 7 und 10 Monaten beginnen die meisten Babys laut BIÖG, sich robbend oder kriechend fortzubewegen. Das WHO-Zeitfenster für das Krabbeln auf Händen und Knien reicht von 5,2 bis 13,5 Monaten; von den Kindern der Studie, die so krabbelten, konnte es die Hälfte mit 8,3 Monaten.
Manche Kinder krabbeln schon mit 6 Monaten, andere erst mit 11 Monaten, und manche krabbeln gar nicht und bewegen sich im Sitzen vorwärts, schreibt das Netzwerk Gesund ins Leben. Altersangaben zu motorischen Meilensteinen sind dort deshalb nur Orientierungswerte.
In der WHO-Studie wurden 35 der 816 Kinder, also 4,3 Prozent, nie beim Krabbeln auf Händen und Knien beobachtet; die Forschenden sahen stattdessen andere Arten der Fortbewegung, etwa das Rutschen auf dem Po oder das Robben. Das BIÖG beschreibt Kinder, die sich durch die Wohnung schlängeln, rollen oder auf dem Hosenboden rutschen, und andere, die nichts dergleichen tun und sich irgendwann aus der Bauchlage in den Stand hochziehen.
Meist kommt das Sitzen vor dem Krabbeln: Die drei häufigsten Reihenfolgen in der WHO-Studie, zusammen 86 Prozent der Kinder, begannen alle mit dem freien Sitzen. An Stühlen, Tischbeinen und anderen Möbeln ziehen sich die meisten Kinder laut BIÖG mit 9 bis 15 Monaten in den Stand hoch, und mit 9 bis 18 Monaten lernen sie, frei zu gehen. Spätestens wenn dein Baby mobil wird, ist es Zeit, die Wohnung kindersicher zu machen.
Auf Lauflernhilfen („Gehfrei“) solltest du laut BIÖG unbedingt verzichten: Sie bergen ein hohes Unfallrisiko mit oft schwerwiegenden Folgen.
Was wird bei der U4, U5 und U6 geprüft?
Bei der U4, U5 und U6 beurteilt die Ärztin oder der Arzt laut Gelbem Heft unter anderem die Grobmotorik deines Babys, also wie es Kopf und Körper hält, sich abstützt, sitzt und sich dreht. Angekreuzt wird im Heft nur ein Punkt, der nicht erfüllt ist.
- U4, 3. bis 4. Lebensmonat: Dein Baby hält den Kopf in der Sitzhaltung mindestens 30 Sekunden aufrecht, toleriert die Bauchlage, stützt sich auf die Unterarme und hebt den Kopf mindestens eine Minute an.
- U5, 6. bis 7. Lebensmonat: Dein Baby stützt sich in Bauchlage mit gestreckten Armen auf die Handflächen, hält den Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule, wenn es an den Händen zum Sitzen hochgezogen wird, und federt mit den Beinen.
- U6, 10. bis 12. Lebensmonat: Dein Baby sitzt frei mit geradem Rücken und sicherem Gleichgewicht, zieht sich in den Stand hoch, bleibt einige Sekunden stehen und dreht sich selbstständig vom Rücken auf den Bauch und zurück.
Auf denselben Seiten fragt das Heft nach der Sprache, etwa nach rhythmischen Silbenketten bei der U5 und Doppelsilben wie „ba-ba“ bei der U6. Vor jeder Untersuchung empfiehlt es, aufzuschreiben, was dir an Entwicklung oder Verhalten aufgefallen ist, und den Impfpass mitzubringen.
Wann solltest du mit deiner Kinderarztpraxis sprechen?
Sprich mit deiner Kinderarztpraxis, wann immer du unsicher bist, ob sich dein Baby in seiner Beweglichkeit normal entwickelt; dazu rät das BIÖG ausdrücklich. Manche Kinder bewegen sich an ihrem ersten Geburtstag noch nicht eigenständig von der Stelle, was durchaus normal sein kann.
- Dein Baby kann mit etwa drei Monaten den Kopf noch nicht hochheben oder mit etwa sechs Monaten noch nicht mit Unterstützung der Hände sitzen. Dann rät der BVKJ, die Kinder- und Jugendarztpraxis aufzusuchen.
- Dein Baby macht mit drei Monaten kaum Arm- oder Beinbewegungen, greift mit einem halben Jahr nicht gut nach Dingen, bevorzugt eine Hand oder nutzt zum Fortbewegen nur eine Körperseite. Der BVKJ nennt das mögliche Hinweise und rät, die Beobachtungen in der Praxis zu schildern.
Leichter wird dieses Gespräch mit einem Entwicklungskalender oder einem einfachen Notizbuch, in dem du die Schritte deines Babys festhältst, schreibt der BVKJ. Weil sich die Nervenverbindungen der Bewegungszentren im ersten Lebensjahr neu ordnen, können laut BIÖG immer wieder vorübergehende Auffälligkeiten im Bewegungsverhalten auftreten; in etwa 90 bis 95 Prozent der Fälle sind sie bis zum Ende des ersten Lebensjahres verschwunden. Wichtig bleiben die ärztlichen Kontrollen trotzdem, weil sich frühe Anzeichen einer Bewegungsstörung davon zunächst nicht sicher unterscheiden lassen.
In der App: Wachstumskurven nach den Standards von WHO und CDC
Offizielle Empfehlungen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de — Vom Strampeln auf dem Weg zum Laufen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) — Das Baby: Informationen für Eltern über das 1. Lebensjahr (Stand Mai 2025)
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) — Kinderuntersuchungsheft (Gelbes Heft), Stand Juni 2026
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) — Elterninfo Sicherer Schlaf
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de — Verzögerte Entwicklung: Wann den Arzt konsultieren?
- Netzwerk Gesund ins Leben — Handlungsempfehlungen: Bewegungsausmaß
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) — WHO Motor Development Study: Windows of achievement for six gross motor development milestones (Acta Paediatrica, 2006)
Geschrieben von der MyBaby-Redaktion. Wie wir Quellen auswählen und prüfen (auf Englisch).
MyBaby ist kein Medizinprodukt und bietet keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Babys wende dich immer an die Kinderarztpraxis oder deine Hebamme.



