Pinzettengriff: Ab wann Babys ihn können und wie du ihn förderst
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Was ist der Pinzettengriff, und ab wann können Babys ihn?
Beim Pinzettengriff fasst ein Baby kleine Dinge wie Krümel oder Fusseln mit den Fingerkuppen von Daumen und Zeigefinger, und damit beginnen Babys laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) etwa mit 9 bis 12 Monaten. Gegen Ende des ersten Lebensjahres sind Kinder laut BIÖG in der Regel so geschickt, dass sie mit der Spitze von Daumen und Zeigefinger selbst kleinste Krümel und Fusseln fassen können.
Kinder entwickeln sich dabei unterschiedlich, jedes im eigenen Tempo, weshalb das BIÖG seine Altersangaben nur als grobe Anhaltspunkte versteht. Sicherer wird der Griff im zweiten Lebensjahr: Dann setzt ein Kind seinen Pinzettengriff laut BIÖG immer sicherer und geschickter ein und kann sich unermüdlich damit beschäftigen, kleinste Krümel und Fusseln aufzulesen.
Bis zum Pinzettengriff durchläuft dein Baby mehrere Etappen, die das BIÖG so beschreibt:
| Alter, etwa | Was dein Baby mit den Händen kann |
|---|---|
| Neugeborenes | Greifreflex: Die Hand schließt sich, wenn man die Handfläche berührt |
| Bis Ende des 3. Monats | Wird mit Händen und Fingern vertraut und kann kleine Dinge kurz festhalten |
| 4 bis 5 Monate | Greift gezielt nach Dingen und fasst sie mit beiden Händen |
| 6 bis 7 Monate | Hält kleinere Gegenstände wie die Rassel mit einer Hand und wechselt sie in die andere |
| 7 bis 8 Monate | Scherengriff: kleine Gegenstände zwischen Daumen und Zeigefinger |
| 9 bis 12 Monate | Beginn des Pinzettengriffs; fasst einen Ball mit beiden Händen |
Was ist der Unterschied zwischen Scherengriff und Pinzettengriff?
Beim Scherengriff, den Babys laut BIÖG mit etwa 7 bis 8 Monaten beherrschen, fassen sie kleine Gegenstände zwischen Daumen und Zeigefinger; beim späteren Pinzettengriff nehmen sie dafür die Spitzen, also die Fingerkuppen, von Daumen und Zeigefinger. Mit dem Scherengriff kann ein Baby laut BIÖG zum Beispiel die Schnur seiner Ziehente fassen und das Spielzeug zu sich heranziehen.
Greifen und Loslassen sind laut BIÖG zwei verschiedene Fähigkeiten: Dass ein Kind gegen Ende des ersten Lebensjahres Dinge recht geschickt greifen und festhalten kann, heißt noch nicht, dass es sie bewusst wieder loslassen kann. Erst ab etwa dem neunten Lebensmonat lernt es laut BIÖG, Gegenstände gezielt freizugeben. Wirft dein Baby sein Spielzeug mit heftigen Arm- und Handbewegungen weg oder lässt es einfach fallen, möchte es laut BIÖG die Rassel oder den Teddy für den Moment nur loswerden. Spielzeug zielgenau am richtigen Platz abzulegen, gelingt nach BIÖG-Angaben im zweiten Lebensjahr.
Was wird bei der U5 und U6 geprüft?
Bei der U6 im 10. bis 12. Lebensmonat beurteilt die Ärztin oder der Arzt laut Gelbem Heft unter anderem, ob dein Baby einen kleinen Gegenstand zwischen Daumen und gestrecktem Zeigefinger greift und 2 Würfel aneinanderklopft. Angekreuzt wird im Heft nur ein Punkt, der nicht erfüllt ist.
Die U6 findet laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in der Regel zwischen dem 10. und 12. Lebensmonat statt, frühestens ab dem 9. und spätestens bis zum 14. Lebensmonat. In der Elterninformation zur U6 schreibt das Gelbe Heft, dass ein Kind in diesem Alter fingerfertiger wird und mit etwas Hilfe schon aus einem Becher trinken kann.
Bei der U5 im 6. bis 7. Lebensmonat beurteilt die Ärztin oder der Arzt laut Gelbem Heft bei der Feinmotorik, ob dein Baby Spielzeug zwischen den Händen wechselt und mit der Handfläche greift, betont auf der Daumenseite („palmares, radial betontes Greifen“). Spielzeug wird in diesem Alter laut Heft mit beiden Händen ergriffen, in den Mund gesteckt und benagt.
Bei der U6 beurteilt die Ärztin oder der Arzt laut Gelbem Heft außerdem die Grobmotorik, etwa freies Sitzen und das Hochziehen in den Stand, und die Sprache, etwa ob dein Baby Doppelsilben wie „ba-ba“ oder „da-da“ bildet. Ist dein Baby vor 37+0 Schwangerschaftswochen geboren, wird der frühe Geburtstermin laut Gelbem Heft bei der Beurteilung der Ergebnisse berücksichtigt.
Wie kannst du den Pinzettengriff fördern und üben?
Hand- und Fingerfertigkeiten wie den Pinzettengriff kannst du laut BIÖG unterstützen, indem du dein Kind alles Mögliche mit Händen und Fingern anfassen, ertasten und erfühlen lässt und Geduld hast, wenn es etwas selbst in die Hand nehmen will, auch wenn es länger dauert und nicht alles sofort klappt. Kinder entwickeln diese Fertigkeiten laut BIÖG in ihrem eigenen Tempo.
Werden einem Baby zusätzlich zum Brei nährstoffreiche Lebensmittel in Stückchen angeboten, kann es sie laut Netzwerk Gesund ins Leben mit allen Sinnen erfahren und spielerisch eine gesunde Ernährung entdecken. Sich selbst mit Stückchen zu füttern, verlangt laut Netzwerk mehr motorische Fertigkeit beim Greifen, Kauen und Schlucken als Brei.
Welche Hand dein Kind beim Greifen nimmt, überlässt du ihm: Die Händigkeit bildet sich laut BIÖG von selbst heraus und sollte nicht beeinflusst werden, und neigt dein Kind zur Linkshändigkeit, belässt du es dabei. Langsam bevorzugt ein Kind laut BIÖG im zweiten Lebensjahr die rechte oder linke Hand. Bevorzugt ein Baby schon mit einem halben Jahr eine Hand und greift dabei nicht gut nach Dingen, nennt der BVKJ das einen möglichen Hinweis, den du in der Praxis schildern solltest.
Welches Fingerfood ist sicher, wenn dein Baby kleine Stücke greift?
Als Fingerfood nennt das Netzwerk Gesund ins Leben zum Beispiel Stücke von weichem Gemüse, gekochten Nudeln, Brot, gekochtem Fleisch, durchgegarten Eiern oder reifem, weichem Obst; vermeiden solltest du laut Netzwerk Lebensmittel mit Verschluckungsgefahr wie ganze Nüsse, Beeren, Hülsenfrüchte, Trauben, Cracker und Stücke von rohem Apfel oder rohem, hartem Gemüse. Beim Essen soll dein Baby laut Netzwerk aufrecht sitzen, nur unter Aufsicht essen und in seinem eigenen Tempo essen dürfen.
Verzichten solltest du laut Netzwerk außerdem auf gesalzene oder stark gewürzte Speisen, rohe tierische Produkte, Fertiggerichte und gezuckerte Lebensmittel. Studien zeigen nach Angaben des Netzwerks, dass 85 Prozent der Babys mit 6 bis 7 Monaten kleine Nahrungsstücke mit den Händen greifen können und 96 Prozent mit 7 bis 8 Monaten; manche nehmen schon mit 4 bis 5 Monaten Stückchen in die Hand, andere erst weit im zweiten Lebenshalbjahr.
Für die Beikost empfiehlt das Netzwerk, dich weiter am Ernährungsplan mit drei Breien zu orientieren, und Fingerfood schließt das nicht aus. Möchtest du deinem Baby ausschließlich stückige Beikost geben, rät das Netzwerk, das mit der Kinderarztpraxis zu besprechen und eine qualifizierte Ernährungsberatung aufzusuchen, um die Versorgung mit Nährstoffen wie Eisen zu verbessern.
Gegen Ende des ersten Lebensjahres kann ein Kind laut BIÖG selbst allerkleinste Krümel und Fussel vom Boden auflesen.
Achte darauf, dass nichts in Reichweite deines Babys liegt, was es nicht auch in den Mund nehmen darf: Erstickungsunfälle gehören laut BIÖG auch im zweiten Lebenshalbjahr zu den schwerwiegendsten Gefahren.
Wann solltest du mit deiner Kinderarztpraxis sprechen?
Sprich mit deiner Kinderarztpraxis, wenn dein Baby mit einem halben Jahr nicht gut nach Dingen greift und dabei eine Hand bevorzugt oder nur eine Körperseite benutzt, um sich fortzubewegen; das können laut BVKJ Hinweise auf eine Störung in der Entwicklung sein, und Eltern sollten ihre Beobachtungen in der Praxis schildern.
- Dein Kind wirkt im Vergleich zu Gleichaltrigen auffällig ungeschickt mit Händen, Fingern und Armen. Dann rät das BIÖG zum Gespräch mit der Kinderarztpraxis.
- Du befürchtest, dass sich dein Kind langsamer entwickelt als andere Kinder in seinem Alter. Der BVKJ rät Eltern, dann immer die Kinder- und Jugendarztpraxis aufzusuchen, weil frühzeitige Erkennung die beste Vorsorge sein kann.
Leichter wird das Gespräch laut BVKJ mit einem Entwicklungskalender oder einem einfachen Notizbuch, in dem du die Entwicklungsschritte deines Babys festhältst. Es gibt laut BVKJ große individuelle Unterschiede, wie sich ein Kind entwickelt, und ein Kind, das sich später entwickelt, hat deshalb nicht unbedingt Schwierigkeiten in der Schule.
In der App: Wachstumskurven nach den Standards von WHO und CDC
Offizielle Empfehlungen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de — Die Greifentwicklung des Babys
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de — Greifentwicklung 0–12 Monate (Infografik, Stand Juli 2026)
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de — Vom Greifen bis zur Fingerfertigkeit
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de — Entwicklungsbedingte Unfallschwerpunkte im 1. Lebensjahr
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) — Kinderuntersuchungsheft (Gelbes Heft), Stand Juni 2026
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de — U6: sechste Vorsorge
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de — Verzögerte Entwicklung: Wann den Arzt konsultieren?
- Netzwerk Gesund ins Leben — Brei und Baby-led weaning: Was ist bei der Beikost zu beachten?
Geschrieben von der MyBaby-Redaktion. Wie wir Quellen auswählen und prüfen (auf Englisch).
MyBaby ist kein Medizinprodukt und bietet keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Babys wende dich immer an die Kinderarztpraxis oder deine Hebamme.



