Ab wann zahnen Babys? Anzeichen, Fieber, Durchfall und was hilft
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Ab wann zahnen Babys?
Die ersten Milchzähne zeigen sich laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) meist im Alter von 6 bis 8 Monaten, und den Anfang machen in der Regel die beiden unteren Schneidezähne. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) nennt eine etwas frühere Spanne: Mit 4 bis 8 Monaten brechen die ersten Zähne im Unterkiefer durch.
Angelegt sind die Zähne laut BIÖG schon in der Frühschwangerschaft, und bei der Geburt sind die Zahnkronen, also der später sichtbare Teil der Zähne, bereits fertig ausgebildet. Ein verfrühter oder verspäteter Zahndurchbruch ist laut einer Elternseite des BVKJ von 2021 kein Grund zur Beunruhigung; wenn du trotzdem Fragen hast, ist deine Kinderarztpraxis die richtige Adresse.
In welcher Reihenfolge die Milchzähne kommen, zeigt das BIÖG in einer Übersicht:
| Zähne | Durchbruch laut BIÖG |
|---|---|
| Mittlere Schneidezähne | 6. bis 8. Monat |
| Seitliche Schneidezähne | 8. bis 12. Monat |
| Erste Milchbackenzähne | 12. bis 16. Monat |
| Eckzähne | 16. bis 20. Monat |
| Zweite Milchbackenzähne | 20. bis 30. Monat |
Mit etwa zweieinhalb Jahren ist das Milchgebiss mit insgesamt 20 Zähnen laut BIÖG vollständig. Der BVKJ schreibt, dass sich alle Milchzähne bis zum Alter von etwa drei Jahren ihren Weg durch das Zahnfleisch gebahnt haben.
Woran erkennst du, dass dein Baby zahnt?
Typische Anzeichen beim Zahnen sind laut BIÖG ein etwas gerötetes Zahnfleisch und mehr Speichel, und manche Babys sind beim Zahnen besonders unruhig oder haben eine leicht erhöhte Temperatur. Der BVKJ ergänzt schmerzendes Zahnfleisch, häufiges Kauen auf Gegenständen, gerötete Wangen und Weinerlichkeit.
Auch der Appetit und der Schlaf deines Babys können durch das Zahnen beeinträchtigt sein, schreibt der BVKJ. Besonders belastet sind Babys nach seinen Angaben anscheinend, wenn die ersten Schneidezähne herauswachsen: im Unterkiefer etwa mit 6 bis 10 Monaten, im Oberkiefer etwa mit 8 bis 12 Monaten.
Wie häufig solche Zeichen sind, hat eine Metaanalyse in der Fachzeitschrift Pediatrics (2016) untersucht. Sie fasste 16 Studien mit 3.506 Kindern im Alter von 0 bis 36 Monaten zusammen: Bei 70,5 Prozent traten während des Zahndurchbruchs Anzeichen oder Beschwerden auf, am häufigsten gereiztes Zahnfleisch, Reizbarkeit und vermehrter Speichelfluss.
Bekommen Babys beim Zahnen Fieber?
Beim Zahnen kann die Körpertemperatur leicht steigen, doch Fieber von 38 °C oder mehr weist laut BVKJ möglicherweise auf eine Krankheit hin, die mit dem Zahnen nichts zu tun hat, und sollte in der Kinderarztpraxis abgeklärt werden. Auch das BIÖG schreibt, dass hohes Fieber während des Zahnens andere Ursachen hat.
Als erhöhte Temperatur gelten laut dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums (gesund.bund.de) Werte zwischen 37,5 und 38,5 °C. Von Fieber spricht man ab 38,5 °C, bei Babys unter 3 Monaten schon ab 38 °C.
Die Zeit des Zahnens fällt laut BVKJ mit der Phase zusammen, in der der Nestschutz verloren geht: Die Antikörper, die ein Baby vor der Geburt und eventuell über das Stillen mitbekommen hat, verlieren ihre Wirkung. Eine Herpesinfektion tritt laut BVKJ in diesem Alter ebenfalls häufig auf und ähnelt mit Ausschlag im Gesicht und erhöhter Temperatur den möglichen Beschwerden des Zahnens.
Die Metaanalyse von 2016 kam zu dem Schluss, dass der Zahndurchbruch die Temperatur erhöhen kann, der Anstieg aber nicht als Fieber einzustufen war. Ganz einheitlich sind die deutschen Quellen trotzdem nicht: gesund.bund.de nennt das Zahnen unter den Gründen, aus denen ein Baby fiebern kann, und dieselbe BVKJ-Elternseite von 2021 bezeichnet Fieber und Durchfall, anders als der BVKJ in seiner Meldung von 2023, als häufige Begleiterscheinungen und rät bei über 39 °C unbedingt zur Kinderarztpraxis. Für den Weg zur Praxis setzt gesund.bund.de die Grenze bei Säuglingen tiefer, bei über 38 °C.
Ist Durchfall beim Zahnen normal?
Durchfall gehört laut BIÖG nicht zum Zahnen: Kommt dir dein Baby während des Zahnens krank vor oder hat es zum Beispiel Durchfall oder hohes Fieber, hat das andere Ursachen und sollte in der Kinderarztpraxis abgeklärt werden. Der BVKJ zählt Durchfall, Ausschläge, Bläschen im Mund und Husten zu den Zeichen, die möglicherweise auf eine Krankheit unabhängig vom Zahnen hinweisen.
Durchfall ist laut BVKJ umso gefährlicher, je jünger das Kind und je größer der Wasserverlust ist; hält er länger als einen Tag an oder sind die Stühle großvolumig und wässrig, kann der kindliche Körper sehr schnell austrocknen. Als typische Zeichen einer drohenden Austrocknung nennt der BVKJ einen trockenen Mund, weiße Haut ohne Spannung, Schläfrigkeit, eine tiefe Atmung durch den Mund und wenig Urin. Bei jungen Säuglingen ist die Urinausscheidung laut BVKJ allerdings nicht verringert.
Was hilft beim Zahnen, und was solltest du lassen?
Beim Zahnen helfen laut BIÖG gekühlte, nicht eiskalte Beißringe, ein nasser Waschlappen zum Kauen und eine sanfte Massage der Zahnleiste; außerdem ist es wichtig, dass dein Baby viel trinkt. Ins Gefrierfach gehört der Beißring laut BVKJ keinesfalls, weil gefrorene Gegenstände an der Haut festkleben können.
Kühle Lebensmittel zum Kauen empfiehlt das BIÖG wegen der Verschluckungsgefahr nicht. Der BVKJ hält kühle, aber nicht eisige Lebensmittel für möglich, allerdings nur für Kinder, die bereits feste Nahrung essen.
Möchtest du ein schmerzlinderndes Gel für das Zahnfleisch verwenden, rät der BVKJ, dich vorher in der Kinderarztpraxis beraten zu lassen, weil manche Mittel das Schlucken beeinträchtigen können.
Lass dein Baby keine Bernsteinkette tragen: Kinder- und Jugendärzte raten laut BVKJ dringend davon ab, weil die Kette das Kind beim Spielen oder Schlafen verletzen oder strangulieren kann, wenn sie irgendwo hängen bleibt.
Ab wann putzt du die Zähne, und wie viel Fluorid braucht dein Baby?
Ab dem ersten Zahn putzt ein Erwachsener die Zähne deines Babys mit einer altersgerechten Zahnbürste bis zu zweimal am Tag, so das Netzwerk Gesund ins Leben. Bis dahin bekommt ein Baby laut Netzwerk von Geburt an, in der Regel ab der zweiten Lebenswoche, täglich eine Tablette mit Vitamin D und Fluorid.
Vom ersten Zahn bis zum ersten Geburtstag entscheidest du laut Netzwerk in Rücksprache mit der Kinderarzt- und der Zahnarztpraxis zwischen zwei Wegen:
- Fluorid in der Tablette: Dein Baby bekommt weiter die Tablette mit Vitamin D und Fluorid, und du putzt ohne Zahnpasta oder mit einer Zahnpasta ohne Fluorid.
- Fluorid in der Zahnpasta: Dein Baby bekommt eine Tablette nur mit Vitamin D, und du putzt mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid.
Beides zusammen, also fluoridhaltige Zahnpasta und Fluoridtablette, soll es laut Netzwerk auf keinen Fall geben. Ab 12 Monaten sollen die Zähne laut Netzwerk mit Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid geputzt werden, bis zum zweiten Geburtstag in reiskorngroßer Menge, ab 2 Jahren in erbsengroßer Menge. Kinderzahnpasten mit 500 ppm Fluorid werden nach den neuen, einheitlichen Empfehlungen laut Netzwerk nicht mehr empfohlen.
Trinkt dein Baby überwiegend oder ausschließlich Säuglingsmilch und bereitest du sie mit Wasser zu, das 0,3 Milligramm Fluorid pro Liter oder mehr enthält, bekommt es laut Netzwerk eine Tablette nur mit Vitamin D, und wie du putzt, besprichst du mit Kinderarzt- und Zahnarztpraxis. Leitungswasser in Deutschland liegt laut Netzwerk meist unter diesem Wert.
Die erste zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung kann laut Netzwerk vom 6. bis zum 9. Lebensmonat stattfinden. Karies beugst du laut Netzwerk außerdem mit zahngesunder Ernährung vor, ohne zuckerhaltige Getränke im Fläschchen und ohne Dauernuckeln.
Wann solltest du mit deiner Kinderarztpraxis sprechen?
Sprich mit deiner Kinderarztpraxis, wenn dein Baby beim Zahnen Fieber von 38 °C oder mehr, Durchfall, Ausschlag, Bläschen im Mund oder Husten hat oder sehr unwohl wirkt; diese Zeichen können laut BVKJ auf eine Krankheit unabhängig vom Zahnen hinweisen.
- Die Temperatur steigt auf über 38 °C. Bei Säuglingen ist dann laut gesund.bund.de ein Besuch in der Arztpraxis oder Notfallambulanz nötig.
- Das Fieber hält länger als 3 Tage an oder tritt schubweise oder wiederholt auf, dein Baby bekommt einen Fieberkrampf, wirkt teilnahmslos, hat einen Hautausschlag oder will länger nichts trinken. Auch dann ist laut gesund.bund.de ein Besuch in der Arztpraxis oder Notfallambulanz nötig.
- Dein Baby hat mehr als 4 wässrige Stühle in 24 Stunden. Dann sollte laut BVKJ die Kinderarztpraxis gerufen oder aufgesucht werden.
- Der Durchfall kommt mit heftigen, kolikartigen Bauchschmerzen, blutigen Stühlen oder hohem Fieber. Der BVKJ rät dann grundsätzlich zur Untersuchung in der Kinderarztpraxis.
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Offizielle Empfehlungen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de — Die Entwicklung der Zähne
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de — Wann kommen die ersten Zähne? (Infografik, Stand Mai 2025)
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de — Phase des Zahnens findet zeitgleich mit vielen anderen Herausforderungen des kindlichen Immunsystems statt
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de — Wann kommen die ersten Zähnchen und wie kann ich meinem Kind helfen?
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (mit dem IQWiG) — Fieber bei Kindern
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), kinderaerzte-im-netz.de — Erste Hilfe: Durchfall
- Netzwerk Gesund ins Leben — Zähne ab der Geburt schützen: Kariesprävention für Babys
- Massignan et al., Pediatrics (2016) — Signs and Symptoms of Primary Tooth Eruption: A Meta-analysis
Geschrieben von der MyBaby-Redaktion. Wie wir Quellen auswählen und prüfen (auf Englisch).
MyBaby ist kein Medizinprodukt und bietet keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Babys wende dich immer an die Kinderarztpraxis oder deine Hebamme.



