Stuhlgang beim Neugeborenen: Farbe, wie oft, wann in die Kinderarztpraxis
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Nicht ärztlich geprüft. Dieser Artikel fasst die veröffentlichten Empfehlungen der unten genannten Stellen zusammen. Er ersetzt keine ärztliche Beratung: Folge immer dem Rat der Fachleute, die dein Baby betreuen.

Wie sieht normaler Stuhlgang beim Neugeborenen aus?
Normaler Stuhlgang beim Neugeborenen ist zuerst grünlich bis schwarz und danach gelblich bis lehmbraun, manchmal auch grün, so beschreibt es das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Der erste Stuhl heißt Mekonium oder Kindspech: Er kommt laut BIÖG einige Stunden bis zwei Tage nach der Geburt und enthält, was sich vor der Geburt im Darm gesammelt hat, etwa Fruchtwasser, Darmzellen und Verdauungssäfte.
Wird dein Baby gestillt, regt das Kolostrum, die Milch der ersten Tage, laut BIÖG den ersten Stuhlgang an. Wie es danach mit der Milch weitergeht, steht im Artikel zum Milcheinschuss.
Bei voll gestillten Babys ist der Stuhl laut BIÖG meist pastenartig bis wässrig und gelblich, manchmal grünlich oder etwas schaumig, und er riecht nicht unangenehm. Mit Säuglingsmilch ist er nach Angaben des BIÖG meist breiig oder geformt, hellgelb bis lehmbraun, manchmal bis dunkelgrün, und er riecht stärker. Gedeiht dein Baby gut und nimmt zu, musst du dir laut BIÖG über die Beschaffenheit des Stuhls in der Regel keine Sorgen machen.
| Stuhl | Einordnung | Was tun |
|---|---|---|
| Erster Stuhl, grünlich bis schwarz | Mekonium (BIÖG) | Keins nach 48 Stunden: Praxis informieren (Cleveland Clinic, USA) |
| Gelblich, pastenartig bis wässrig | Typisch bei voll gestillten Babys (BIÖG) | Mit der Stuhlfarbkarte vergleichen (BIÖG) |
| Hellgelb bis lehmbraun, breiig | Typisch mit Säuglingsmilch (BIÖG) | Mit der Stuhlfarbkarte vergleichen (BIÖG) |
| Grünlich bis dunkelgrün | Beim Stillen und mit Säuglingsmilch möglich (BIÖG) | Mit der Stuhlfarbkarte vergleichen (BIÖG) |
| Wie Nr. 1 bis 4 der Stuhlfarbkarte | Normal (Gelbes Heft) | Weiter beobachten (Gelbes Heft) |
| Blass bis weiß, wie Nr. 5 bis 7 | Auffällig (Gelbes Heft) | Innerhalb von 24 Stunden zur Ärztin oder zum Arzt (Gelbes Heft) |
| Rot oder rote Streifen | Kann Blut sein (Cleveland Clinic, USA) | Dringend an die Praxis wenden (BIÖG) |
| Schwarz nach den ersten 3 Tagen | Kann Blut sein (Cleveland Clinic, USA) | Praxis anrufen (Cleveland Clinic, USA) |
Die Stuhlfarbkarte steht im Gelben Heft, dem Kinderuntersuchungsheft des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sie zeigt sieben Farbfelder: Nummer 1 bis 4 sind als normal markiert, Nummer 5 bis 7 als auffällig.
Ist grüner Stuhl beim Säugling normal?
Grüner Stuhl kann beim Säugling normal sein: Das BIÖG beschreibt den Stuhl voll gestillter Babys als manchmal grünlich und den Stuhl mit Säuglingsmilch als manchmal bis dunkelgrün. Ist der Stuhl eines voll gestillten Babys grünlich oder etwas schaumig, muss das laut BIÖG kein Durchfall sein.
Auf der Stuhlfarbkarte im Gelben Heft sieht Nummer 2 bei den normalen Farben olivgrün aus, Nummer 6 bei den auffälligen blass gelbgrün. Vergleiche grünen Stuhl deshalb mit der Karte: Sieht er aus wie Nummer 6, stell dein Baby innerhalb von 24 Stunden bei einer Ärztin oder einem Arzt vor.
Die US-amerikanische Cleveland Clinic nennt Viren als eine mögliche Ursache für leuchtend grünen Stuhl. Sie rät, dich an die Kinderarztpraxis zu wenden, wenn dein Baby sich dabei nicht so verhält wie sonst.
Von Durchfall spricht das BIÖG, wenn ein Baby plötzlich häufig Stuhlgang hat, der wässrig oder deutlich weicher ist, und das anhält. Voll gestillte Babys haben laut BIÖG fast nie Durchfall.
Was bedeutet heller oder weißer Stuhl, und wie hilft die Stuhlfarbkarte?
Auffällig heller, blasser oder weißer Stuhl kann auf eine Lebererkrankung hinweisen, und das Gelbe Heft gibt dafür eine Frist vor: Ist die Stuhlfarbe deines Babys blass oder wird sie blass und sieht aus wie Nummer 5, 6 oder 7 der Karte, stellst du dein Baby innerhalb von 24 Stunden bei einer Ärztin oder einem Arzt vor. Durch diese Kontrolle können Lebererkrankungen laut Gelbem Heft schnell erkannt und behandelt werden.
Farbnamen stehen nicht auf der Karte. Dem Aussehen nach sind die normalen Nummern 1 bis 4 ocker, olivgrün, hellorange und leuchtend gelb, die auffälligen Nummern 5 bis 7 blassgelb, blass gelbgrün und hellbeige.
Die Kinderleberzentren der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) nennen in einer Fachinformation für Ärztinnen und Ärzte dieselbe Frist: Fällt Eltern oder Hebamme auffällig heller Stuhl auf, soll das Neugeborene innerhalb von 24 Stunden ärztlich vorgestellt werden.
Der G-BA hat die Ergänzung des Hefts um die Karte im Mai 2023 beschlossen, und laut GPGE sind die neuen Hefte mit Karte seit November 2023 verfügbar. Bei der U2 (3. bis 10. Lebenstag) und der U3 (4. bis 5. Lebenswoche) fragt die Ärztin oder der Arzt laut Heft die Stuhlfarbe mit der Karte ab, bei der U4 im 3. bis 4. Lebensmonat noch einmal.
Die Karte soll vor allem helfen, eine Gallengangatresie, also einen Verschluss der Gallengänge, früh zu erkennen. Laut G-BA ist eines von 20.000 Neugeborenen betroffen, und zu den typischen Zeichen in den ersten Lebenswochen gehören eine anhaltende Gelbsucht und eine blasse Stuhlfarbe. Bestätigt sich der Verdacht, kann eine frühe Operation die Leber laut G-BA deutlich länger erhalten und eine Lebertransplantation hinauszögern.
Nur bei früher Diagnose haben Babys mit Gallengangatresie laut GPGE eine reelle Chance, die nötige Operation nach Kasai bis zum Ende des ersten Lebensmonats zu bekommen. 2024 lag das Durchschnittsalter bei der Kasai-Operation in Deutschland laut GPGE aber bei 60 Tagen, nach Einschätzung der Kinderleberzentren viel zu hoch.
Auch eine lange Gelbsucht gehört in die Kinderarztpraxis. Die GPGE empfiehlt, das Bilirubin im Blut zu bestimmen, wenn das Weiße der Augen bei einem nicht gestillten Baby mit 2 Wochen oder bei einem voll gestillten Baby mit 3 Wochen noch gelb ist, auch wenn die Stuhlfarbe unauffällig ist.
Was bedeutet roter oder schwarzer Stuhl beim Neugeborenen?
Roter Stuhl, rote Streifen in der Windel und schwarzer Stuhl nach den ersten drei Lebenstagen können laut der US-amerikanischen Cleveland Clinic auf Blut hinweisen. Bei Rot oder einer anderen ungewöhnlichen Farbe rät das BIÖG, dich dringend an die Kinderarztpraxis zu wenden. Die Klinik rät, bei rotem Stuhl die Kinderarztpraxis anzurufen und eine Stuhlprobe mitzubringen, damit sie auf Blut untersucht werden kann.
Schwarzer, teerartiger Stuhl ist laut Cleveland Clinic bei Neugeborenen normal. Ist dein Baby älter als drei Tage, ist er ein Grund zur Sorge, und die Klinik rät, die Kinderarztpraxis anzurufen.
Wie oft hat ein Neugeborenes Stuhlgang?
Ein gestilltes Neugeborenes hat in den ersten 4 bis 6 Wochen laut BIÖG mehrmals täglich Stuhlgang, fast bei jeder Mahlzeit. Das sind mindestens drei volle und 6 bis 8 nasse Windeln am Tag. Wie oft dein Baby in dieser Zeit trinkt, steht im Artikel zur Trinkmenge beim Neugeborenen.
Mit Säuglingsmilch haben Babys laut BIÖG seltener Stuhlgang, dafür kommen größere Mengen.
Was ist, wenn ein Neugeborenes keinen Stuhlgang hat?
Kommt in den ersten 48 Stunden nach der Geburt kein Mekonium, rät die US-amerikanische Cleveland Clinic, die Kinderarztpraxis darauf anzusprechen.
Nach den ersten 4 bis 6 Wochen kann die nächste Stuhlwindel bei einem gestillten Baby laut BIÖG auch einmal 3 bis 4 Tage auf sich warten lassen, ohne dass es verstopft ist. Die Spannbreite fasst das BIÖG in der Faustregel „Fünfmal am Tag oder einmal alle fünf Tage“ zusammen. Wichtig ist nur, dass dein Baby wie bisher oft nasse Windeln hat. Leichte Windeln mit wenig Urin können ein Hinweis auf zu wenig Muttermilch sein, und das BIÖG rät, das der Kinderarztpraxis zu sagen.
Machst du dir Sorgen, weil dein Baby zu selten Stuhlgang hat, oder bist du bei Beschaffenheit oder Farbe des Stuhls unsicher, rät das BIÖG, das in der Kinderarztpraxis anzusprechen. Bei andauernden Verdauungsbeschwerden solltest du dich laut BIÖG dringend an die Kinderarztpraxis wenden; nimm am besten eine Stuhlwindel mit.
Wann solltest du mit deinem Baby in die Kinderarztpraxis?
Mit blassem Stuhl gehört dein Baby laut Gelbem Heft innerhalb von 24 Stunden in eine Arztpraxis, mit weißem oder rotem Stuhl laut BIÖG dringend. Sprich in diesen Fällen mit deiner Kinderarztpraxis:
- Der Stuhl ist blass oder wird blass und sieht aus wie Nummer 5, 6 oder 7 der Stuhlfarbkarte: Stell dein Baby laut Gelbem Heft innerhalb von 24 Stunden bei einer Ärztin oder einem Arzt vor.
- Der Stuhl ist weiß oder rot. Das BIÖG rät, dich dann dringend an die Kinderarztpraxis zu wenden.
- Der Stuhl ist nach den ersten drei Lebenstagen schwarz und teerartig (Cleveland Clinic, USA).
- In den ersten 48 Stunden nach der Geburt kommt kein Mekonium (Cleveland Clinic, USA).
- Das Weiße der Augen ist mit 2 Wochen noch gelb, bei einem voll gestillten Baby mit 3 Wochen. Die GPGE rät Ärztinnen und Ärzten dann zu einer Blutuntersuchung auf Bilirubin, auch bei normaler Stuhlfarbe.
- Dein Baby hat mehr als viermal in 24 Stunden Durchfall, der Durchfall ist blutig, oder es erbricht und hat dazu Fieber und Durchfall. Dann rät das BIÖG, unverzüglich die Kinderarztpraxis aufzusuchen.
- Dein Baby hat Durchfall und du bringst es nicht zum Trinken, oder Lippen und Zunge sind trocken und es macht seltener als alle 8 Stunden Pipi. Auch dann rät das BIÖG, unverzüglich in die Kinderarztpraxis zu gehen.
- Dein Baby ist bis 3 Monate alt und hat 38 °C oder mehr. Das BIÖG rät dann, ohne Zögern die Kinderarztpraxis aufzusuchen, auch schon unter 38 °C, wenn es sehr schlapp wirkt, nicht trinken will oder sich seine Haut verfärbt. Am genauesten misst du laut BIÖG im Po.
- Dein gestilltes Baby hat leichte Windeln mit wenig Urin (BIÖG).
In der App: Ein Windelprotokoll, das die Frage der Kinderarztpraxis beantwortet
Offizielle Empfehlungen
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) — Kinderuntersuchungsheft (Gelbes Heft), Stand Juni 2026
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) — Gallengangverschluss bei Neugeborenen früher erkennen: Stuhlfarbkarte wird Teil des Kinderuntersuchungsheftes (Pressemitteilung, 12. Mai 2023)
- Die Kinderleberzentren der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE), bei der DGKJ — Fachinformation: Stuhlfarbkarte und Handlungsempfehlung bei auffälliger Stuhlfarbe und/oder Ikterus prolongatus (2024)
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de — Verdauung des Babys
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) — Das Baby: Informationen für Eltern über das 1. Lebensjahr (Stand Mai 2025)
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de — Durchfall bei Babys und Kleinkindern
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de — Fieber bei Babys und Kindern
- Cleveland Clinic (USA) — Baby Poop Colors: What Do They Mean?
Geschrieben von der MyBaby-Redaktion. Wie wir Quellen auswählen und prüfen (auf Englisch).
MyBaby ist kein Medizinprodukt und bietet keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Babys wende dich immer an die Kinderarztpraxis oder deine Hebamme.



